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Budapest, Feuerwehrmuseum
Rekonstruktion der weltberühmten Wasserorgel aus der Römerzeit
aus Aquincum(n.Chr. 228), 1996
Während unserer Arbeit haben wir die durch Laboruntersuchungen
bestimmten Materialien der Funde in Betracht gezogen. So verfertigten wir die
verschiedenen Bestandteile aus ähnlichen Materialien, wie vor ca. 1770-1800 Jahren.
Bei der Ausführung der Pfeifen und anderen Teilen haben wir die antike Lösungen
für Wichtig gehalten. Deshalb mußten wir völlig von den in der heutigen Zeit gebrauchten
Technologien abweichen. Wir haben die Wasserorgel mit Hilfe von früheren Beschreibungen,
Darstellungen, sowie mit physikalischen Gesetzen rekonstruiert.

Terrakotte aus Ägypten
Die Holzteile und die Verzierungen wurden mit kleinen, handgeschmiedeten
Nägeln miteinander verbunden. Die Längen von fehlenden und unvollständigen Pfeifen
haben wir mit Hilfe den alten römischen Maßeinheiten berechnet. Während der Verfertigung
des Instrumentes wurden wir sowohl mit vielen musikalischen, als auch mit technischen
Fragen konfrontiert. Auf diese können wir die Antworten wahrscheinlich nur in
der Ewigkeit bekommen. Immerhin sagen wir aus, daß unsere Rekonstruktion im Vergleich
zu den Bisherigen die treueste Kopie zum antiken Instrument ist.

Die Geschichte der Orgel
Im III. Bezirk in Budapest, südlich vom Museum Aquincum,
bei dem Grundbau einer Transformatorstation der Elektrischen Werke, hat man unter
den Trümmern der einstigen Feuerwehrzentrale einen eingestürzten Keller
aus der Römerzeit entdeckt.
Unter diesen Steintrümmern fanden sie die zerbrochenen Pfeifen und Orgelteile.
Die weltberühmten Überreste hat Lajos Nagy, der damalige Archäolog
des Museums Aquincum im Jahre 1931 herausgegraben.
Sie fanden auch eine Tafel, die die Tatsache der Schenkung verewigt.
Aus dem Text stellt sich heraus, daß das Instrument n. u. Z. im Jahre 228
vom Gaius Iulius Viatorinus der Feuerwehr geschenkt wurde, der damals ihr Leiter
war.

Gaius Iulius Viatorinus, Senatsmitglied von
Aquincum, ehemaliger Aedil und Vorsteher des collegium centonariorum, schenkte
aus eigenen Mitteln dem obengenannten Collegium während des Konsulats von Modestus
und Probus diese Wasserorgel (n. Chr. 228.).
Die Orgel konnte dann in den Keller herunterstürzen, als
ca. u. Z. im Jahre 250, beim Ansturm von Feinden, die ganze Zentrale abbrannte.
Das Instrument stand wahrscheinlich zur Verfügung des Feuerwehrleiters. Die
Holz- und Lederteile der Orgel sind im Feuer verbrannt bzw. wegen der Hitze verkohlt.
Ihre, in Blei eingebettete Bestandteile sind ineinander verschmolzen.
Da nach dem Brand im Keller nicht aufgeräumt wurde, sind die Orgelteile unter
den Trümmern begraben geblieben. Man konnte sie zwar nicht in ihrem besten
Zustand herausgraben, aber aufgrund der gebliebenen Teile konnten wir uns ein
überzeugenderes Bild über diese Orgel aus der Römerzeit bilden.

Die Überreste der Orgel
Nach Lajos Nagy wurden die Orgelüberreste in einer solchen
Lage gefunden, die ihrem ursprünglichen Zustand entspricht. Sie fiel rücklings
und so gelang der Teil nach Oben, der ursprünglich hin zu den Gläubigen
schaute.
Deshalb gelang in den Händen der Archäologen zuerst diese, schon erwähnte,
geschenkte Tafel, die an der Vorderseite des Instrumentes angefestigt war.
Die im besseren Zustand gebliebenen Bestandteile wurden gleich nach ihrer Bereinigung
im Museum Aquincum herausgestellt, die Trümmer warteten in einer Kiste auf
ihr Schicksal.
Die erste Orgelrekonstruktion
Nach den Plänen von Lajos Nagy und János Kalmár
hat im Jahre 1935 die Pécser Angster-Orgelbaufirma aufgrund den aufgefundenen
Orgelteile, Pfeifenmaßen und ihrer Anordnung, eine tragbare Orgelrekonstruktion
verfertigt. Diese läßt sich mit zwei kleinen Lederbälge erklingen,
die uns auf einen Schmiedbalg erinnern.
Im Jahre 1959 (im Herbst) hat Viktor Ráfael, der Restaurator
des Museums Aquincum, mit der Verwendung der bei den Bombenangriffen während
der Kriege unversehrt gebliebenen und schon vorher herausgestellten Orgelteile
und jene Teile, die man im Jahre 1944 in dem Keller der Basilika aufbewahrte,
die ursprünglichen Orgelteile zusammengestellt.
Auch Meister Ráfael hat nicht als eine Wasserorgel, die einzig aus der
Römerzeit gebliebenen, originalen Teile zusammengestellt. Bei dieser Arbeit
hat er als Muster die Angster-Orgelrekonstruktion angesehen. Auch er verfertigte
im Jahre 1956 für die erste, ständige Ausstellung des Feuerwehrmuseums
ein nicht erklingendes Orgelmakett.
Die zweite Rekonstruktion
Der Orgelbaumeister aus Ludwigsburg, Herr Werner Walcker-Mayer
hat im Jahre 1969 eine neue Rekonstruktion verfertigt und im Jahre 1970 eine ausführliche
Studie darüber veröffentlicht. Er reiht zwar zum Wasserorgelprinziep
Argumente auf, betätigt seine Orgel trotzdem nicht als eine Wasserorgel.
Seitdem hat dei "Zentrale Museologische und Technologische
Abteilung" die originalen Teile erneut restauriert und konserviert. Dabei
haben sie die "durch das Feuer krumm gewordenen und zusammengeschrumpften
Bruchstücke mit sorgfältiger Arbeit ausgeglichen. Einige kleinere, fehlende
Teile haben sie mit angemessenem Verfahren ergänzt". Im Jahre 1973 hat
man die originalen Bestandteile den modernen Ausstellungsprinzipien entsprechend,
mit Hilfe von gut veranschaulichen Methoden auf Plastik montiert.
Die Rekonstruktion der römischen Orgel aus Aquincum,
als eine "hidraulus"(Wasserorgel) und die Herstellung des funktionierenden
Balgmodells
Der Forscher des Feuerwehrmuseums, János Minárovics,
beshäftigt sich seit 1987 intensiver mit dem Beweis der Orgel aus Aquincum
als eine Wasserorgel.

Zeichnung einer Orgel aus dem in der Universitätsbibliothek
zu Utrecht aufbewahrten Psalmbuch (9. Jh.).
In den Wasserorgeln wird der ständige Luftdruck durch den
Luftregler oder Pnigeus (auch Luftkessel genannt) garantiert.
Die Luft wird mit den zylindrischförmigen oder luftblasenden Pumpen ins Pnigeus
geführt, was man im allgemeinen als einen glockenförmigen Luftbehälter
darstellt.Auf der unteren Kante des Pnigeus sind Öffnungen vorhanden oder
es sitzt auf Abstandbehältern, eingebettet in ein Wasserbehälter. Wenn
man Luft ins Pnigeus hineinpumpt, wird der Wasserspiegel innerhalb des Luftbehälters
sinken und außerhalb sich erhöhen.

Die Konstruktion der Wasserorgel von Heron
(nach Schmidt)
Wenn zuviel Luft hineingelangt, dann geht sie an der Kante weg und wirft Bläschen
durch das Wasser. So bleibt der Luftdruck auf konstanter Höhe. Die Rolle
des Wassers ist die ununterbrochene Sicherung der Luftströmung aus dem Pnigeus
in den Windkasten hinein und weiter zu den Pfeifen.
Nach den Beobachtungen von Herrn Minárovics ist es möglich, das von
unserer Firma im Jahre 1996 rekonstruierte, altertümliche Instrument mit
Wasserbalg ertönen zu lassen.

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